Buch der Unruhe      



MICHEL VAN DER AA   (link)
Das Buch der Unruhe (2008)
Musiktheater für Schauspieler, Ensemble und Film
Libretto vom Komponisten nach Texten von Fernando Pessoa (dt.)
Dauer: ca. 70 Minuten

"Das Buch der Unruhe" beruht auf dem gleichnamigen Opus von Fernando Pessoa, das erst nach dem Tod des Dichters 1935 entdeckt wurde und heute als ein Schlüsselwerk der literarischen Moderne gilt. Die Fülle von Beobachtungen, Erinnerungen, Träumen und philosophischen Reflexionen des fiktiven Buchhalters Bernardo Soares inspirieren ein ungewöhnliches, zeitgenössisches Gesamtkunstwerk. Wie schon in seinen früheren, von der Kritik begeistert aufgenommenen Werken One und After Life entwirft Michel van der Aa in der Interaktion von Szene, Musik, Text, Tonzuspiel und Video das bewegende Porträt eines Menschen auf der Suche nach der eigenen Identität. Die vom Komponisten ausgewählten Textfragmente kreisen um die Themen von Isolation, Liebe und Traum. Realistische, filmisch aufgegriffene, illustrierte und ausgeweitete Szenen mit den Alter-Egos von Bernardo Soares stehen abstraktere, surreale Entwicklungen entgegen, die den Zuschauer tief in die Gedankenwelt des Protagonisten hineinführen.

 
 

Pressestimmen:

„Die Uraufführung am Freitag in Linz war ein Erfolg. In der hölzernen ‘Hafenhalle09’ der frischen europäischen Kulturhauptstadt war ein echtes Gesamtkunstwerk zu erleben, das 85 Minuten lang in Bann schlug, von Anfang an... Die Mäander des Dichtens werden überhöht durch symbolische Filmszenen und durch die Beharrlichkeit der Musik.“ (Norbert Mayer, Die Presse, 05.01.2009)

„Ausdrucksstark hinterließ die Uraufführung von Michel van der Aas Musiktheater-Projekt ‘Das Buch der Unruhe’ als erste Linz09-Produktion tiefgehende Eindrücke. Komponist und Regisseur Michel van der Aa hat Textauszüge, Filmsequenzen und Musik zu einer eindrucksvollen, symbolträchtigen Inszenierung verwoben, die zwar keine leichte Kost ist, aber in sich stimmig zu packen vermag. Genial in seiner vielschichtigen Symbolik, wirkt das Bühnenbild von Marc Warning wie eine einzige, große Metapher für das Lebensgefühl der in sich zerrissenen Hauptfigur. Fünf Kreise, die sich ineinanderschieben, wieder auseinanderdriften, erinnern an Planeten eines Universums, in dessen Mittelpunkt Soares um seine Existenz kreist... In Van der Aas Kompositionen wird die Unruhe Musik. Dirigent Dennis Russell Davies und Musiker des Bruckner Orchesters verwandeln sie präzise in einen spannungsgeladenen Klangfluss, der anschwillt, wieder verebbt. Schwer zu sagen, wann die Spannung größer ist: in der Musik oder den Momenten beklemmender Stille.“ (Karin Schütze, OÖNachrichten, 05.01.2009)

„Die Musik steht gleichberechtigt neben der Bild- und Sprechebene, verbindet sich mit beidem, schweigt aber auch mitunter. Dirigent Dennis Russell Davies führt das Bruckner Orchester präzise, bruchlos begleitet die Musik sogar eingespielten Fado-Gesang. Van der Aa findet immer wieder einprägsame Bilder.“ (Michael Brommer, Salzburger Nachrichten, 05.01.2009)

„Die durchdachte Musiktheater-Interpretation des niederländischen Regisseurs und Komponisten Michel van der Aa verdichtete den Stoff zu einem bedrückenden Bild eines Menschen, der alles am Leben bezweifelt, aber nicht anders kann, als zu schaffen... Van der Aas Musik übersetzt Soares' Ideen, seine depressiven Gedankenspiralen und Traumbilder in eine schlüssige Sprache voller harmonischer Reibungen und dramatischen Verdichtungen.“ (Michael Huber, Kurier, 04.01.2009)

„The string-dominated instrumental ensemble provides an edgy, gritty backdrop, often moving in jagged rhythmic unison, before fixating on a single idea and veering off in a new direction... Magically, it all coheres: the parade of visuals, beautifully shot under Van der Aa's direction; the musing disconnectedness of Brandauer's utterances, which create the texture of a dream.“ (Andrew Clements, The Guardian, 06.01.2009)

„Die Bilder gewinnen an Überzeugungskraft durch die Musik und umgekehrt... Van der Aas Erfolg gründet sich auf die subtile Abstimmung aller Bestandteile. Die Musik spiegelt die beschriebenen Gefühle und Ideen wider, mal melancholisch, mal abstrakt, aber immer dramatisch durch den Wechsel von beidem.“ (Mischa Spel, HRC Handelsblad, 05.01.2009)