Home arrow Daniel Hope arrow News arrow Kompositionen aus Theresienstadt im Alten Wasserwerk
Kompositionen aus Theresienstadt im Alten Wasserwerk PDF E-Mail

Daniel Hope und Ulrich Matthes haben am 20.9.08 ihr neues Programm "Musik ist Hoffnung" - Texte und Kompositionen aus Theresienstadt - beim Internationale Beethovenfeste Bonn aufgeführt.

Bonner General-Anzeiger, 22.09.2008, S. 11, FEU


"Musik ist Hoffnung" Beklemmend: Kompositionen aus Theresienstadt im Alten Wasserwerk

von Mathias Nofze  -  Der junge Mann kämpfte nicht um sein Leben, er komponierte um sein Leben. "Musik ist Hoffnung" war seine Botschaft. 1941 verschleppten die Nationalsozialisten den 22-jährigen jüdischen Komponisten Gideon Klein ins KZ Theresienstadt. Zahlreiche andere Komponisten teilten nach dem Einmarsch deutscher Truppen in die Tschechoslowakei 1939 sein Schicksal, etwa Zikmund Schul, Viktor Ullmann, Pavel Haas oder Hans Krása. Sie bewältigten in Theresienstadt einen unfassbaren Akt der Selbstbehauptung - sie komponierten im Angesicht der drohenden Vernichtung weiter. Die Nazis trieben mit diesen Künstlern ein besonders perfides Spiel. Sie erlaubten in Theresienstadt unter dem höhnischen Titel "Freizeitgestaltung" Konzerte und Opernaufführungen und verkauften das Ganze nach außen als "Vorzeigelager". Klein wurde später im KZ Fürstengrube umgebracht, andere im KZ Auschwitz.Ein großartiger und zugleich auch beklemmender Abend im Alten Wasserwerk setzte diesen Tonsetzern ein Denkmal. Daniel Hope, Violine, Philip Dukes, Viola, und Josephine Knight, Violoncello, plädierten mit emotionsgeladenem und geistvollem Spiel für die musikalischen Qualitäten der in Theresienstadt entstandenen Werke, der Schauspieler Ulrich Matthes las die Zwischentexte mit angemessener Emphase. Seine Rezitation versagte sich alles Gefällige, Freundliche, mit klarem, kühlen Ton war er mahnender Erzähler.Bewegend war die Erkenntnis, dass viele der Werke sich nicht in Resignation flüchten, sondern Kraft und Vitalität ausstrahlen. Etwa das Duo für Violine und Cello von Erwin Schulhoff mit seiner feurigen "Zingaresca". Oder Hans Krásas "Tanec" für Streichtrio, eine leichtfüßige Musik mit Jazz-Anklängen. Oder Gideon Kleins Streichtrio. In den Ecksätzen pulsieren darin Rhythmen der Volksmusik. Das Werk schrieb Klein 1944, neun Tage vor dem Abtransport nach Auschwitz. Mit Ravels "Kaddisch" (dem jüdischen Totengebet) für Violine verneigte sich Daniel Hope vor den Komponisten. Das Publikum erhob sich am Schluss von den Plätzen und spendete lang anhaltenden Beifall.

Letzte Aktualisierung ( 07.10.2008 )
 
< Zurück   Weiter >