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Daniel Hope initiiert Benefizkonzert "Tu was!"
Welt Online - Von Volker Tarnow 28. Oktober 2008 Den 9. November würdig zu begehen, ist eines der größten Probleme der deutschen Gedächtniskultur. Nicht etwa, weil auf dieses Datum gleich vier Großereignisse fallen: die Ausrufung der ersten deutschen Republik 1918, der 1923 niedergeschlagene Putsch von Hitler und Ludendorff in München, die Pogromnacht von 1938 und die Öffnung der Berliner Mauer 1989. Nein, allein die Vorgänge von 1938 in der sogenannten Reichskristallnacht machen den 9. November zu einem äußerst schwierigen Gedenktag.
Denn die damaligen Ereignisse sind nicht entrückt in eine unwiederholbare Vergangenheit. "Es gibt in der ganzen Welt Rassismus und rassistische Sprüche, die nicht akzeptabel sind", sagt Daniel Hope. "Jeder muss für sich überlegen, wie er darauf reagiert, was er dagegen tun kann." Sein Engagement gegen das Vergessen und für Zivilcourage findet am 9. November 2008 einen neuen Höhepunkt im Benefizkonzert aus Anlass der 70. Wiederkehr dieses furchtbaren Tages. Bereits der Titel deutet an, dass es hier um mehr geht als eine Gedenkfeier: "Tu was!" nennt Hope das Konzert. Als Schirmherr fungiert Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Die Idee dazu verdankt sich einem Zufall. Hope suchte am Flughafen Singapur nach Urlaubslektüre, stieß aber auf Martin Gilberts Buch "Kristallnacht" - und verschlang es in zwei Stunden. "Ich war total schockiert über das Ausmaß der Gewalt, die 1938 unter den Augen der internationalen Presse zum Ausbruch gekommen war, über die vielen Augenzeugen, die einfach nur zugesehen und nichts getan haben."
Binnen weniger Wochen stellten Hope und einige Helfer das Benefizkonzert im Flughafen Tempelhof auf die Beine. Er fragte Freunde, ob sie ohne Gage daran teilnehmen würden, und erhielt positive Antworten, unter anderen von Sol Gabetta, Thomas Quasthoff, Till Brönner, Max Raabe und Klaus Maria Brandauer. Die Einnahmen kommen der Freya von Moltke Stiftung zugute, die alljährlich 5000 Jugendliche aus Ost- und Westeuropa in Kreisau zusammenführt, einem Zentrum des Widerstands gegen Hitler. Helmuth James von Moltke versammelte auf dem schlesischen Gut bürgerliche Intellektuelle um sich, die Deutschlands künftige Rolle in einem demokratischen Europa planten. Moltke wurde Anfang 1945 in Plötzensee ermordet, seine Witwe Freya ging zunächst nach Südafrika, dann in die USA. Dort lernte sie eine Großtante von Daniel Hope kennen. Der britische Geiger mit deutschen Großeltern hat also auch eine fast familiäre Beziehung zur Familie Moltke. Insofern ist er prädestiniert für ein Gedenkkonzert wie das am 9. November in Tempelhof. Den Ort wählte er mit Bedacht, der Flughafen symbolisiert sowohl nazistische Architektur wie die Freiheit Berlins. Hope bedient sich auch des problematischen Begriffs 'Kristallnacht', der eigentlich die Pogrome als eine Art Silvestervergnügen interpretiert. Vorsichtshalber fragte er bei der Jüdischen Gemeinde an, die fand nichts einzuwenden. "Auch Menahem Pressler verwendet diese Bezeichnung", so Hope. Der legendäre Gründer des Beaux Arts Trios hatte als 15-jähriger die Pogromnacht in Leipzig erlebt, er konnte mit seiner Familie im letzten Moment aus Deutschland fliehen. Der Auftritt des mittlerweile 85-jährigen Pressler dürfte der Höhepunkt des Konzerts werden. Tu was! Benefizkonzert am 9. November um 20 Uhr in der Haupthalle des Flughafens Tempelhof. Tel. 0180-544 94 49. www.TuWas-Berlin.de
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