Die Weise von Liebe und Tod...   

Die Weise von Liebe und Tod des Cornet Christoph Rilke

Zwölf Stücke aus der Dichtung Rainer Maria Rilke
Für Sprecher und Orchester (komponiert 1944 in Theresienstadt)
von Viktor Ullmann (1898-1944)


 

BESETZUNG:
Klaus Maria Brandauer,  Sprecher
Thomas Hengelbrock, musikalische Leitung
Orchester

Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke ist der Titel einer kurzen Erzählung von Rainer Maria Rilke. Ausgangspunkt der Erzählung ist eine Regeste einer alten Chronik. Sie berichtet von der Übertragung des Besitzanteils Christoph Rilkes, der 1663 im Türkenkrieg gefallen war, an seinen Bruder Otto. Alternativ zum kurzen Chronik-Eintrag bietet Rilke die Geschichte vom Zug des Christoph Rilke von Langenau nach Ungarn und seinem dortigen Tod an.
Der 18-jährige Adelige reitet mit anderen Soldaten nach Ungarn, um gegen die dort eingefallenen Türken zu kämpfen. Ein französischer Marquis wird dabei sein Freund. Von einer Rose, die der Marquis von seiner Geliebten erhalten hat, schenkt er von Langenau beim Abschied ein Rosenblatt, das ihn beschützen soll. Aufgrund eines Empfehlungsschreibens wird von Langenau zum Cornet, zum Fahnenträger ernannt. Seiner Mutter schreibt er daraufhin stolz einen Brief, den er neben dem Rosenblatt verwahrt. Jenseits des Grenzflusses Raab- an deren Ufern die entscheidende Schlacht bei Mogersdorf stattfinden sollte- übernachtet von Langenau mit seiner Kompagnie in einem Schloss. Mit der Gräfin verbringt er die Nacht im abseits gelegenen Turmzimmer. Während der Nacht wird das Schloss von den Türken angegriffen und in Brand gesteckt. Um die Fahne zu retten und zu seiner bereits aufgebrochenen Truppe zu gelangen, verzichtet er auf Waffenrock und Helm, läuft durch die brennenden Gemäuer und reitet aus dem Schloss. Mit der brennenden Fahne findet er sich allein Mitten unter den Feinden wieder und fällt.

 

Das Melodram auf die 1899-1906 entstandene Dichtung von Rilke schildert die Kriegserlebnisse des jungen Helden gleichen Namens in einer Vers und Prosaelemente verschmelzenden Sprache, deren Wortverknüpfungen und Akzente bereits musikalische Elemente in sich bergen. Sie werden durch die aus einem dichten Gewebe motivisch-thematischer Verknüpfung bestehende Vertonung wirkungsvoll verstärkt. Die 12 Abschnitte der Komposition sind nach dem Kontrastprinzip angelegt, gleichzeitig aber durch sinnfällige Motive und tonmalerische Elemente miteinander verbunden.
 


Viktor Ullmann wurde am 1. Januar 1898 in Teschen (heute Cesky Tesln) als Sohn ehemals jüdischer Eltern geboren, die schon vor seiner Geburt zum katholischen Glauben konvertiert waren.

Nach Besuch des Gymnasiums in Wien studierte er Komposition, Formenlehre, Kontrapunkt und Orchestrierung bei Schön berg und war ein Ausgezeichneter Pianist, wenn auch ohne Ambitionen für eine Solistenlaufbahn.

Im Mai 1919 wechselte er nach Prag, wo er unter Alexander von Zemlinsky bis 1927 Kapellmeister am Prager Neuen deutschen Theater war. Ab 1923 sorgten regelmässige Uraufführungen für grosse Beachtung, insbesondere seine «Schön bergVariationen» am Genfer Musikfest von 1929. 1929-1931 war er am Schauspielhaus Zürich als Komponist für Bühnenmusik und Kapellmeister engagiert. Interessiert an Rudolf Steiner's Anthroposophie war er 2 Jahre Buchhändler in Stuttgart, bevor er 1933 nach Prag flüchten musste, wo er als Komponist, Musiklehrer und Journalist arbeitete.

Zweimal wurde er mit dem Hertzka-Preis geehrt: 1934 für die Orchester-Fassung der «Schönberq-Variationen», 1936 für die Oper «Der Sturz des Antichrist» (Libretto Albert Steffen). Nach Errichtung des «Reichprotektorats Böhmen und Mähren» am 15.3.1939 wurden öffentliche Aufführungen seiner Werke unmöglich.

Am 8.9.1942 wurde Ullmann in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Er gehörte dort mit Hans Krasa, Gideon Klein und Rafael Schächter zum führenden Kreis der musikalischen Sektion der «Freizeitgestaltung». Er prägte als Komponist, Interpret und Kapellmeister das dortige Musikleben und schuf über 20 Werke, darunter 1944 das Melodram «Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Hilke». Er wurde 2 Wochen nach Fertigstellung des Werks nach Auschwitz deportiert und dort umgebracht.

Der Mensch Viktor Ullmann wird als grosser Sinnsucher geschildert. Er lehnte Flucht und Exil ab, um seinen Mitmenschen in Not beizustehen und um Zeugnis abzulegen, dass der Geist nicht ermordet werden kann.