Egmont        

Ludwig van Beethoven (1770–1827)
Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832)


MUSIK:
Ludwig van Beethoven: Egmont, op. 84
Musik zu Goethes Trauerspiel Egmont

 

TEXT:
Text aus Egmont, op. 84  (Text ausgewählt und ergänzt von Klaus Maria Brandauer)

 

BESETZUNG:
Klaus Maria Brandauer,  Sprecher
Sängerin, Sopran
Thomas Hengelbrock, musikalische Leitung
Orchester


Das Ungewöhnliche an der Schauspielmusik zu Goethes Egmont ist nicht die Gattung an sich, die aus einer seinerzeit gängigen Praxis hervorgegangen ist, zu Dramen «irgendwelche» Musik zu spielen, die Opern oder Balletten entnommen wurden, die meist nicht einmal entfernte Bezüge zum Drama aufwiesen, sondern vielmehr, dass sich in dieser zum Egmont komponierten Musik mit Goethe und Beethoven zwei ganz Große der deutschen Klassik treffen.


Goethe hat mit seinem Egmont eine Art Mischgattung zwischen Schauspiel und Oper schaffen wollen. Er sah nicht nur für die Liedstrophen Klärchens, Egmonts Geliebter, der weiblichen Hauptgestalt, sondern auch für die Einleitung und die Zwischenakte Musik und Melodrama vor, ja, er wollte das Drama ursprünglich mit der Partitur veröffentlichen. In diesem Plan, für den er vergeblich auf den befreundeten Komponisten Philipp Christoph Kayser setzte, spiegelt sich sein lebhaftes Engagement für Singspiel und Oper in der Zeit der italienischen Reise wieder.

Ludwig van Beethoven, der als glühender Verehrer des «ersten deutschen Dichters» zunächst einige Gedichte vertont hatte, erhielt den Auftrag, zur Wiener Erstaufführung des Egmont 1810 eine Schauspielmusik zu komponieren. Beethoven versicherte, sie «bloß aus Liebe zum Dichter geschrieben» und, «um dieses zu zeigen, nichts dafür von der Theaterdirektion genommen zu haben». Er verzichtete tatsächlich auf ein Honorar.

Goethes Protagonist geht auf den historischen Grafen Egmont zurück, der im 16. Jahrhundert Statthalter zweier niederländischer Provinzen war. Er widersetzte sich mit furchtloser Freiheitsliebe, die jeder politischen Klugheit spottete, den spanischen Unterdrückern und wurde schliesslich, trotz häufiger Warnungen, von deren Anführer, dem Grafen Alba, gefangen genommen und zum Tode verurteilt. Im Kerker, angesichts des Todes, erscheint ihm der Geist der Freiheit in der Gestalt Klärchens, die ihm den Lorbeerkranz des Sieges reicht. Egmont stirbt, weist aber den Hinterbliebenen den Weg in die Freiheit.