Manfred

Robert Schumann (1810–1856)
Lord Byron (1788 - 1824)


 
MUSIK:
Manfred, op. 115  (1848)
Ein dramatisches Gedicht von Lord Byron
 

BESETZUNG:
Variante 1
Klaus Maria Brandauer, Sprecher
Thomas Hengelbrock, musikalische Leitung
Orchester
Chor

Variante 2
Klaus Maria Brandauer, Sprecher (Manfred)
5 Schauspieler  (in Absprache mit Klaus Maria Brandauer)
2 Sprecher (Mond/Geistlicher, Geist)
3 Sprecherinnen (Astarte, Alpenfee, Geist)
Thomas Hengelbrock, Musikalische Leitung
Orchester
Chor 




Dass Robert Schumann gerade von der existentiellen Verzweiflung eines zur Einsamkeit Verdammten zu einer Komposition inspiriert wurde, gibt zu vielerlei Vermutungen Anlass. Biographische Parallelen legen nahe, dass er sich mit der Figur "Manfred" sehr verbunden fühlte. Von Byron als Lesedrama konzipiert, kürzte Schumann das Original zwar stark, ließ jedoch den Wortlaut unverändert.


«Etwas ganz Neues und Unerhörtes» wollte Robert Schumann schreiben, als er 1848/49 sein «dramatisches Gedicht» Manfred op. 115 auf den Text von Lord Byron komponierte. Das Werk vereint in sich dramatische und oratorische Elemente, und gerade in der unklaren Position zwischen den Gattungen liegt seine Faszination. Die dramatische Handlung muss gleichsam als inneres Theater, zugleich aber ohne Theatralik veranschaulicht werden.



I. Akt:

In einem mittelalterlich-düsteren Alpenschloss sucht Manfred vergeblich seine Ruhe. Ein schuldbeladener Fluch lastet auf ihm, der ihn weder Furcht, Wünsche, Hoffnung, noch die Liebe zu Irdischem fühlen lässt. Gesegnet mit spiritueller Macht, beschwört er die Geister der vier Elemente, die ihm allerdings seinen Wunsch nach Vergessen, nach Seelenfrieden nicht erfüllen können. Sie gaukeln ihm jedoch die Vision einer schönen Frauengestalt vor. Von großer Sehnsucht erfasst, will Manfred sie umarmen und fällt verzweifelt in Ohnmacht, als das Trugbild entschwindet. Vier Geisterstimmen sprechen den grausamen Zauberbann aus, der auf Manfred lastet: Er soll weder durch Schlaf noch durch den Tod von seinen Qualen erlöst werden, nicht ruhen und auch nicht sterben können. Aus nächtlicher Ohnmacht erwacht, findet sich Manfred in einer morgendlichen Gebirgswelt wieder. Seine empfindlose Seele kann diese Idylle freilich nicht aufhellen. Vielmehr wird seine Verzweiflung durch eine Hirtenmelodie noch gesteigert. Ein Gemsenjäger reißt ihn im letzten Augenblick vom Abgrund zurück.

II. Akt:

Die Gastfreundschaft des Jägermannes in seiner Alpenhütte bietet Manfred einen Moment lang Frieden; dem Fluch aber kann er sich nicht entziehen. Der Grund wird im vertrauten Gespräch offenbar: eine verbotene, inzestuöse Liebe, mit der er die Geliebte ins Verderben stürzte. Trost und Hilfe des Jägers schlägt er aus, um erneut in der Geisterwelt Erlösung zu finden. Manfred beschwört das Erscheinen der Alpenfee, einer Verkörperung des Schönen. Sie drängt ihn zur Offenbarung des Grundes seiner Qual, der Sünde an seinem alter ego, der Frau, die ihm in allem glich, aber etwas besaß, was er nicht hatte: Milde, Liebe und Demut. Die Fee verspricht ihm Erlösung, wenn er sich unterordnet. Manfred jedoch wehrt heftig und vermessen ab. Wieder wird es Nacht. Nemesis, Geistergöttin der Rache und Unheilbringerin, entdeckt Manfred und verlangt von ihm, vor Ariman niederzuknien. Manfred will sich nicht beugen, nur die allwaltende Unendlichkeit anerkennen. Beeindruckt von seiner mystischen Kraft, erlauben ihm Ariman und Nemesis, die tote Astarte zu sehen, jene Frau, die er mit sündhafter Liebe ins Unglück stieß und um deretwillen er Höllenqualen erleiden muss. Astartes Scheinbild taucht auf. Aber erst auf Manfreds beschwörende Bitten bricht sie ihr Schweigen, gibt ihm Kunde vom nahenden Ende seiner irdischen Leiden.

III. Akt:

Zur Burg seiner Väter zurückgekehrt, wartet Manfred in einem ihm neuen Gefühl des Friedens nunmehr auf sein Ende. Der Abt des Klosters St. Mauritius erscheint, um ihn zur Kirche und zum Glauben zurückzuführen. Manfred weist ihn ab und setzt auch dem «nachtentstiegenen» Geist, der sich als Manfreds Genius ausgibt und ihn auffordert mitzukommen, seinen letzten zornigen Widerstand entgegen: «Wie ich lebte, sterbe ich – allein!» Er stirbt im Beisein des Abtes, der mit Grauen seine kalte Hand hält.
 






John Martin - Manfred on the Jungfrau_(1837)








































Gustave Doré - Manfred und der Gemsjäger - Holzstich 1853