Schauspieler

Klaus Maria Brandauer

 
 

Ein Atheist von Gottes Gnaden



MUSIK: Maurischen und andalusische Klängen auf der Gitarre

TEXT: Aus den Erinnerungen von Luis Buñuel

BESETZUNG: Klaus Maria Brandauer, Rezitation & Gitarrenspieler

Eine Passage durch das Werk von Luis Buñuel: „Die Welt wird immer absurder. Nur ich bin weiter Katholik und Atheist. Gott sei Dank!“, sagte der spanische Filmregisseur Luis Buñuel einmal, und: „Natürlich wünschte ich, dass Gott existierte, damit ich ihm ins Gesicht spucken kann.” Buñuel ist ein Meister des surrealistischen Witzes, ein begnadeter Lügner, Fallensteller und Lästerer. Denn wie sonst, denn als Lüge, Falle und Lästerei soll man zum Beispiel seine Charakterisierung Catherine Deneuves verstehen, mit der er unter anderem „Belle de Jour” drehte: „Catherine Deneuve ist nicht unbedingt mein Frauentyp, aber mit nur einem Bein und geschminkt finde ich sie sehr attraktiv.” Die Schraube der Wahrheit wird bei Buñuel immer noch einen Tick weitergedreht. Erst ins Groteske überdreht, springt einen Erkenntnis an – mit vergnügter Morbidität.


Kurz vor seinem Tod hatte Bunuel seine Lebenserinnerungen niedergeschrieben, wobei er seinen körperlichen und geistigen Niedergang nicht aussparte. Dennoch sind seine Aufzeichnungen kein Klagelied, vielmehr die so schonungslose wie humorvolle Darstellung eines unerhört intensiven Lebens und Schaffens. „Die Allgegenwart der Religion” im streng katholischen Spanien prägte den jungen Bunuel - ebenso wie „Triebe und Schuldgefühle”. Die wiederum in so „bürgerfeindlichen” Werken wie „Der andalusische Hund” oder „Belle de Jour” künstlerisch verarbeitet wurden.

Im Alter „von seinen Trieben befreit”, fehlte Bunuel anscheinend nichts, denn statt seiner Virilität erfreuten ihn die Leistungsfähigkeit „von Leber und Lunge”. Ironisch und kraftvoll setzt er sich mit den Widersprüchen des Lebens auseinander - gottvoll-gottlos gibt sich dieser „Atheist von Gottes Gnaden”, der nicht glauben kann, „dass Gott mich ständig überwacht”.

 
Foto: Urban Uebelhart

Foto: Urban Uebelhart

 

Kölner Stadt-Anzeiger am 29. April 2005 : "Da saß auf einmal tatsächlich Buñuel auf der Bühne, der seiner Angst vor der Apokalypse und der Leere weise mit absurdem Schabernack entgegentrat. Der Gitarrist…nahm die Zuhörer immer wieder mit auf eine gedankenverlorene Reise. Die Töne schwebten im Raum wie glänzender Blütenstaub über der flirrenden andalusischen Landschaft. Musik und Lektüre verschmolzen regelrecht, als Brandauer und Plessner Blickkontakt aufnahmen, sich anlächelten."

Kölnische Rundschau am 29. April 2005 : "Brandauer lässt keine Distanz zu den Weltanschauungen des Spaniers aufkommen, vielmehr wird er zu dessen Sprachrohr, verschmilzt mit dem Regisseur, lebt den alten Spanier. Dann ist es die brütende Hitze des Mittags oder die Kühle eines schattigen Olivenhains, Saragossa, wo Buñuel seine Kindheit verbrachte.
Der Konzertgitarrist Lucian Plessner lässt die Bilder mit maurischen Klängen vor dem inneren Auge entstehen."